Annuität
Auch: Annuitätenrate, Kreditrate, Darlehensrate
Die Annuität ist die gleichbleibende Rate eines Annuitätendarlehens, die aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil besteht. Die Rate selbst bleibt über die gesamte Zinsbindung konstant – innerhalb der Rate verschiebt sich das Verhältnis jedoch mit jedem Monat: Der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil steigt.
Das Annuitätendarlehen ist die Standardform der privaten Immobilienfinanzierung in Deutschland. Sein Vorteil ist die Planbarkeit: Solange die Zinsbindung läuft, ändert sich die Belastung nicht – anders als beim Ratendarlehen mit sinkender Rate oder beim endfälligen Darlehen, bei dem die volle Summe erst am Ende fällig wird. Der Preis dafür ist, dass am Anfang nur wenig getilgt wird.
Formel
Monatsrate (€) = Darlehenssumme × (Sollzins % + anfänglicher Tilgungssatz %) ÷ 12
Diese Fassung ist die in der Praxis übliche: Banken vereinbaren nicht die Rate, sondern den anfänglichen Tilgungssatz – also den Prozentsatz der ursprünglichen Darlehenssumme, der im ersten Jahr getilgt wird. Aus Sollzins und Tilgungssatz ergibt sich die Rate.
Finanzmathematische Fassung
Steht statt des Tilgungssatzes eine feste Laufzeit fest (Volltilgerdarlehen), wird die Annuität über den Annuitätenfaktor berechnet. Dabei ist i der Zinssatz je Periode (Monatszins = Sollzins ÷ 12), n die Zahl der Perioden und q = 1 + i:
A = Darlehen × (q^n × (q − 1)) ÷ (q^n − 1) mit q = 1 + Monatszins
Rechenbeispiel
| Darlehenssumme | 300.000 € |
| Sollzins (gebunden) | 3,80 % |
| Anfänglicher Tilgungssatz | 2,00 % |
| Jahresannuität (300.000 € × 5,80 %) | 17.400 € |
In der ersten Rate stecken 950 € Zinsen (300.000 € × 3,80 % ÷ 12) und 500 € Tilgung (1.450 € − 950 €). Der Sollzins von 3,80 % entspricht dem Niveau, auf dem sich Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung 2026 bewegten (Bundesbank-Zinsstatistik: rund 3,7 % im Neugeschäft; Angebote je nach Beleihungsauslauf und Bonität etwa 3,5 bis 4,5 %).
Wie sich Zins und Tilgung verschieben
Weil die Restschuld mit jeder Rate sinkt, fallen im Folgemonat weniger Zinsen an – und da die Rate gleich bleibt, wächst der Tilgungsanteil um genau diesen Betrag. Der Effekt beschleunigt sich, je länger das Darlehen läuft:
| Rate | Zinsanteil | Tilgungsanteil | Restschuld danach |
|---|---|---|---|
| 1. Monat | 950,00 € | 500,00 € | 299.500 € |
| 60. Monat | 847,46 € | 602,54 € | 267.018 € |
| 120. Monat | 721,60 € | 728,40 € | 227.146 € |
| 240. Monat | 385,52 € | 1.064,48 € | 120.677 € |
Erst nach rund zehn Jahren übersteigt der Tilgungsanteil den Zinsanteil. Vollständig zurückgezahlt wäre dieses Darlehen – gleichbleibender Zins unterstellt – nach 337 Monaten, also gut 28 Jahren; die Zinssumme läge dann bei rund 188.300 €.
Abgrenzung zu anderen Darlehensformen
Ratendarlehen: Hier ist nicht die Rate konstant, sondern der Tilgungsbetrag. Weil die Zinsen mit sinkender Restschuld fallen, sinkt auch die Rate. Im Beispiel oben – 300.000 € über 20 Jahre – wären das 2.200 € in der ersten und rund 1.254 € in der letzten Rate. Die Zinssumme ist niedriger als beim Annuitätendarlehen, die Anfangsbelastung dafür deutlich höher.
Endfälliges Darlehen: Während der Laufzeit werden nur Zinsen gezahlt (im Beispiel 950 € monatlich), die volle Darlehenssumme wird am Ende in einem Betrag fällig. Es gibt keine Tilgung, die Zinslast bleibt deshalb dauerhaft maximal – üblich vor allem in Verbindung mit einem Tilgungsersatz wie einer Lebensversicherung.
Volltilgerdarlehen: ein Annuitätendarlehen, dessen Zinsbindung bis zur vollständigen Rückzahlung reicht. Es gibt am Ende keine Restschuld und damit kein Zinsänderungsrisiko, die Rate liegt dafür höher.
Häufige Fehler
Tilgungssatz mit Tilgungsanteil verwechseln: Der vereinbarte Satz von 2 % gilt nur für das erste Jahr. Danach steigt die tatsächliche Tilgung automatisch, ohne dass sich die Rate ändert. Die Annuität für die Steuer aufteilen vergessen: Bei vermieteten Objekten ist nur der Zinsanteil als Werbungskosten abziehbar, der Tilgungsanteil nicht. Wer die volle Rate ansetzt, rechnet die Steuerwirkung deutlich zu hoch. Nur auf die Rate schauen: Eine niedrige Annuität entsteht meist über einen niedrigen Tilgungssatz – und lässt am Ende der Zinsbindung eine hohe Restschuld übrig.
Häufige Fragen
Die Annuität ist die gleichbleibende Kreditrate aus Zins und Tilgung. Die Rate bleibt über die Zinsbindung konstant, aber innerhalb der Rate sinkt der Zinsanteil und der Tilgungsanteil steigt.
Darlehenssumme mal der Summe aus Sollzins und anfänglichem Tilgungssatz ergibt die Jahresrate, geteilt durch zwölf die Monatsrate. Bei 300.000 €, 3,80 % Sollzins und 2 % Tilgung sind das 1.450 € im Monat.
Zinsen werden immer auf die aktuelle Restschuld berechnet. Da jede Rate die Restschuld verringert, fallen im nächsten Monat weniger Zinsen an – und weil die Rate gleich bleibt, wächst der Tilgungsanteil um genau diesen Betrag.
Die Tilgung ist nur ein Teil der Annuität. Die Annuität ist die vollständige Rate, die an die Bank fließt – also Zinsanteil plus Tilgungsanteil.
Verwandte Begriffe
Annuität und Tilgungsverlauf berechnen
Darlehenssumme, Sollzins und Tilgungssatz eingeben – partimo zeigt die Monatsrate, den kompletten Verlauf von Zins und Tilgung und die Restschuld am Ende der Zinsbindung.
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